INTERNATIONALE FASCH-GESELLSCHAFT E.V.

     
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  J a h r g a n g   7   ( J u n i   2 0 0 3 )  
 
I n   d i e s e r   A u s g a b e  
 
Konzerttermine 2003/Editorial
8. Internationale Fasch-Festtage 2003: Ein Rückblick
Eine Reise nach Zerbst …
Internationale Wissenschaftliche Konferenz 2003/Vorschau 9. Internationale
      Fasch-Festtage 2005
Berichte/Mitteilungen


  Konzerttermine 2003  
 
Fasch-Geselligkeit mit dem Salonorchester der Anhaltischen Philharmonie Dessau
Donnerstag, 11.12.2003, 20.00 Uhr

Stadthalle Zerbst
Weihnachtskonzert mit dem Stadtchor Zerbst und dem Universitätschor Halle „Johann Friedrich Reichardt“. Es kommen A-cappella-Chorsätze aus verschiedenen Ländern Europas zur Aufführung.

BOCHUM
Sonntag, 02.11.2003, 16.00 Uhr

Stadtparkrestaurant
Das Fasch-Collegium Bochum gestaltet ein „Kaffeekonzert“ der Bochumer Symphoniker u. a. mit einer Ouvertürensuite und zwei Instrumentalkonzerten von Johann Friedrich Fasch.

Vorankündigungen 2004
Zu den 39. Kulturfesttagen der Stadt Zerbst (Februar/März 2004) wird die IFG traditionsgemäß ein Konzert organisieren.

Für den Monat Mai 2004 ist ein Serenaden-Abend im Museum mit dem Kammerchor des Universitätschores „Johann Friedrich Reichardt“ der Universität Halle-Wittenberg unter der Thematik „Europäische Chormusik aus vier Jahrhunderten“ geplant. Der Chor wird durch Flöte und Gitarre begleitet, Dirigent ist Universitätsmusikdirektor Jens Lorenz.

Liebe „Faschianer“,
in dieser Ausgabe unseres Newsletters schauen wir zurück auf die 8. Internationalen Fasch-Festtage, und wir tun dies angesichts ihres erfolgreichen Verlaufs ausgesprochen gern. Wenn auch Sie zu den Besuchern gehörten, werden Sie sich gewiss ebenso gern an die beeindruckenden Konzerte erinnern. Das Thema „Johann Friedrich Fasch und der italienische Stil“ war offensichtlich ein lohnender Aufhänger und zog sich wie ein roter Faden durch alle Konzertprogramme. Ganz hervorragende Interpreten, die weltweit zu den besten ihres Faches gehören, begeisterten in den Tagen vom 03. bis zum 13. April 2003 das Publikum in Zerbst und an weiteren Spielorten der Region. Spitzenqualität war wieder einmal zu erleben, und von der Internationalität der Besetzung her übertrafen die diesjährigen Festtage sogar noch alle ihre Vorgänger. Die Presse hat das Ereignis sehr aufmerksam begleitet und dokumentiert. Der Stadtverwaltung Zerbst sei für die gute Zusammenarbeit und ihr hohes Engagement in der Organisation und der Sicherung der Finanzierung sehr herzlich gedankt. Das ist angesichts der allerorten angespannten Lage keineswegs selbstverständlich. Und wir freuen uns schon jetzt gemeinsam auf die nächsten Fasch-Festtage, deren Vorbereitung bereits begonnen hat.
Auf den folgenden Seiten erwartet Sie also ein detaillierter Bericht über die 8. Internationalen Fasch-Festtage und die wissenschaftliche Konferenz, und diese Rückblicke werden ergänzt von einem interessanten Reisebericht einer Gruppe von Konzertbesuchern. Wir schauen aber auch schon ein wenig nach vorn und wollen Sie über unsere Veranstaltungen in den kommenden Monaten informieren und schon jetzt sehr herzlich dazu einladen. Außerdem halten wir Sie über Projekte in Sachen Fasch sowie neuere Noteneditionen und CDs auf dem Laufenden und freuen uns, mit der Entdeckung eines Fasch-Briefes auch wieder einmal ein aktuelles Forschungsergebnis vorstellen zu können.
Mit diesem Newsletter beendet Herr Hagen Jahn seine Tätigkeit für die IFG, die er in Vertretung von Frau Susanne Schuster ausgeübt hat. Wir danken ihm für seine Mitarbeit bei der Vorbereitung und Begleitung der Fasch-Festtage und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.

Konstanze Musketa, Präsidentin

 
 
  8. Internationale Fasch-Festtage 2003  
 
Ein Rückblick
Vom 03. bis 13. April 2003 veranstalteten die Stadt Zerbst und die Internationale Fasch-Gesellschaft zum achten Mal Festtage zu Ehren des einstigen Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch. Dabei konnte ein kleines Jubiläum begangen werden, da vor 20 Jahren – wenn auch damals noch in bescheidenerem Ausmaß – ein erstes Ereignis dieser Art stattfand. Inzwischen stellen die Festtage eine anerkannte Größe im Festspielkalender Sachsen-Anhalts und darüber hinaus dar. Die vor zwei Jahren erstmalig praktizierte Erweiterung auf elf Tage und mehrere Spielorte im anhaltischen Raum erwies sich auch diesmal als Erfolg. Die Marienkirche Dessau und die evangelische Stadtkirche Oranienbaum konnten als neue Veranstaltungsorte gewonnen werden. Die Besucherzahl stieg, auch aufgrund der zahlreich zum 200-jährigen Jubiläum des Francisceums anwesenden Gäste der Stadt, auf 1734 Personen. Bemerkenswert war jedoch vor allem der hohe Anteil an Besuchern aus nahezu allen Teilen der Bundesrepublik. Zur überregionalen medialen Ausstrahlung der Festtage trugen dieses Jahr sowohl der Mitteldeutsche Rundfunk mit der Aufzeichnung des Kammerorchesters Basel barock in Dessau und DeutschlandRadio Berlin mit dem Mitschnitt des Konzerts von King’s Consort in der Stadthalle Zerbst bei.
Mit „Johann Friedrich Fasch und der italienische Stil“ widmeten sich die Festtage einer Thematik, die nicht nur die Wissenschaftliche Konferenz bestimmte, sondern auch konsequent in den Konzertprogrammen ihren Niederschlag fand. So spürten die Künstler in allen Konzerten dem Einfluss des italienischen Stils auf das Schaffen von Fasch und seinen Zeitgenossen nach. Eröffnet wurden die Festtage mit dem Festakt und zugleich der Verleihung des Fasch-Preises im Fasch-Saal der Stadthalle. Nach der Festansprache von Schirmherr Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz überreichten Bürgermeister Helmut Behrendt und die Präsidentin der IFG, Dr. Konstanze Musketa, den Fasch-Preis 2003 an das Akademische Orchester der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die Verleihung war Anerkennung für den Einsatz des Klangkörpers zur Verbreitung der Kompositionen Johann Friedrich Faschs in zahlreichen Konzerten. Schon seit Mitte der 1980er Jahre zeichnet dafür vor allem der Orchesterleiter Matthias Erben verantwortlich. Die musikalische Umrahmung des Festaktes lag in den Händen des Leipziger Ensembles barock a.c.c.u.u.t. Im Anschluss daran entfachte das italienische Ensemble Sonatori de la Gioiosa Marca im Eröffnungskonzert ein wahres Feuerwerk an Musizierfreude in den Werken von Vivaldi und Fasch. Dazu trug insbesondere der überaus temperamentvolle Fagottsolist des Abends, Sergio Azzolini, bei. Er war noch einmal, mit Epoca Barocca, auf Schloss Wendgräben zu erleben und wusste auch hier gemeinsam mit Margarete Adorf, Alessandro Piqué und Alexander Weimann das Publikum restlos zu begeistern. Letzteres Konzert war ebenso ausverkauft wie das auf Schloss Leitzkau, wo das Ensemble Mediolanum nicht nur ein abwechslungsreiches Programm bot, sondern auch gestand, beim ersten Kontakt mit Faschs Werken während der Konzertvorbereitung höchst angenehm überrascht gewesen zu sein und versprach, die Kompositionen des Zerbster Meisters weiterhin zu pflegen.
Im Gegensatz zu den intimen Kammerkonzerten boten die Marienkirche zu Dessau und die Stadthalle in Zerbst den passenden Rahmen für die größer besetzten Konzerte von Kammerorchester Basel barock, King’s Consort und Musica Alta Ripa. Die Gäste aus der Schweiz warteten mit einer klanggewaltigen Besetzung auf, in der auch die selten zu hörenden Naturhörner vertreten waren. Ihre seit Faschs Zeiten erstmalige Wiederaufführung erlebte in diesem Konzert eine neu eingerichtete Ouvertürensuite in A-Dur von Johann Friedrich Fasch, die dank des Mitschnitts durch den MDR nun gleich als Tondokument vorliegt. Das King’s Consort aus London mit der Sopranistin Lorna Anderson präsentierte sich mit einer perfekten, aber im Gegensatz zum Temperament der Sonatori im Eröffnungskonzert doch leicht unterkühlt wirkenden Vorstellung. Den Höhepunkt des Konzerts markierte wohl das Oboenkonzert von Tomaso Albinoni, als das Publikum in atemloser Stille vom zauberhaften Klang der Musik eingenommen war. Im Abschlusskonzert mit Musica Alta Ripa erklangen u. a. ein Concertino des vielen Musikfreunden noch unbekannten Niederländers Unico Wilhelm van Wassenaer sowie zwei Sinfonien Johann Friedrich Faschs in Erstaufführung. Der direkte Vergleich zwischen den Flötenkonzerten von Vivaldi und Fasch brachte dann noch einmal die Bestätigung, dass Fasch von Vivaldi nicht nur stilistisch beeinflusst wurde, sondern in seiner musikalischen Ausdruckskraft in keiner Weise hinter dem berühmten Italiener zurücksteht.
Am Ende der Fasch-Festtage konnte von allen Seiten erneut ein positives Fazit gezogen werden. Die eingeladenen Musiker verkörperten das bis dato wohl höchste künstlerische Niveau aller Festtage – dem stand die Publikumsresonanz nicht nach. Vier durch hallesche Musikwissenschaftler bzw. -wissenschaftlerinnen aus den Originalquellen erarbeitete Werke Faschs konnten erstmalig zu Gehör gebracht werden (neben den oben genannten Kompositionen führten die Zerbster Kantorei und das Johann Friedrich Fasch-Ensemble die Kantate Er hat große Dinge an mir getan auf). In der Stadtverwaltung Zerbst werden nun Überlegungen angestellt, die Zeit zwischen den zwei Konzertwochenenden mit weiteren Angeboten zu füllen. Angesichts der immer prekäreren Situation der öffentlichen Haushalte bleibt zu hoffen, dass nicht nur das hohe Niveau der Festtage insgesamt erhalten bleibt, sondern auch diese begrüßenswerte Idee finanzier- und somit realisierbar ist.

 
 
  Eine Reise nach Zerbst …  
 
Zerbst ist eine Reise wert … Diese Erfahrung prägte sich auch ins Bewusstsein jener Mitglieder des Freundes- und Förderkreises des Händel-Hauses zu Halle, die am 6. April einen gecharterten Kleinbus bestiegen, um von Halle aus in die nördlicher gelegene anhaltische Kreisstadt zu gelangen. Der Anlass war kein geringer: Ein Besuch zu den 8. Fasch-Festtagen. Ansonsten vorwiegend auf den Spuren Georg Friedrich Händels reisend, lag es nahe, Händels bedeutenden Zeitgenossen aus dem mitteldeutschen Raum auf diese Weise endlich näher kennen zu lernen. Schließlich gründen sich die Kontakte zwischen der Händelgesellschaft und der seit 1991 bestehenden Internationalen Fasch-Gesellschaft e. V. nicht zuletzt auf die Personalunion einiger Vorstandsmitglieder: Dr. Musketa, die Präsidentin der Fasch-Gesellschaft, fungiert gleichzeitig als wissenschaftlicher Sekretär der Händel-Gesellschaft, und Prof. Ruf, der Präsident der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft, ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates.
In jedem Falle aber ist es verlockend, das Werk des sich seiner deutschen Tradition stets bewussten Wahlengländers Händel aus dem Blickfeld des um nur drei Jahre jüngeren Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch zu betrachten. Dass das umfangreiche Schaffen Faschs und seines in Zerbst geborenen Sohnes Carl Friedrich Christian, der späterhin die Berliner Singakademie begründete, seinerseits aufs engste mit der europäischen Musikentwicklung jener Zeit verknüpft ist, dies ist durch die akribische Arbeit der Fasch-Gesellschaft längstens bekannt. Vor allem die wissenschaftlichen Konferenzen während der zweijährig stattfindenden Fasch-Feststage haben weitgehend dazu beigetragen, die Musik des überaus vielseitigen und an der neueren Entwicklung seiner Zeit interessierten Musikers in ihren historischen und stilistischen Zusammenhängen herauszuarbeiten.
Das Programm der diesjährigen 8. Fasch-Festtage nun, für die der Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt die Schirmherrschaft übernommen hatte, stand unter der Thematik „Johann Friedrich Fasch und der italienische Stil“. Im Gegenzug – dies sei nur am Rande vermerkt – stehen die Händel-Festspiele in Halle dieses Jahr unter dem Motto „Die Europäisierung der Nationalstile zur Zeit Händels unter dem speziellen Einfluss der französischen Musik“.
Das Programm war vielfältig und anspruchvoll, bestens geeignet, namhafte Künstler, Musikfreunde und Wissenschaftler aus aller Welt in das vor Kurzem noch eher verschlafene Zerbst zu ziehen.
Leider konnte sich unser Besuch an diesem einen Tag auf nur zwei musikalische Ereignisse konzentrieren. Und so begann unser Zerbster Aufenthalt mit dem Festgottesdienst in der Kirche St. Bartholomäi. Bezeichnenderweise erklangen Musikwerke von Johann Friedrich Fasch und Antonio Vivaldi: Die Erstaufführung der Kantate Er hat große Dinge an mir getan von Fasch und Teile aus dem Gloria in D-Dur von Vivaldi. Die Zerbster Kantorei unter ihrem Leiter Tobias Eger und junge Solisten (Ulrike Fulde, Stefanie Täschner, Sebastian Reim und Daniel Blumenschein) musizierten gemeinsam mit dem Johann Friedrich Fasch-Ensemble aus Halle in festlich-klangvoller Schönheit, engagiert und unbekümmert. Sie vermittelten uns gleich zu Beginn des Tages einen ersten überaus positiven Eindruck von diesen Festtagen. Dass die Zerbster Kantorei sich der Aufgabe verpflichtet fühlt, in der Folge guter mitteldeutscher Traditionen „geistliche Chormusik mit Menschen dieser Stadt und Region zu erarbeiten und wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, zeigt den Stellenwert, den die Fasch-Festtage u. a. auch für die Region selbst haben.
Musik, Andacht und der beeindruckende Raum der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche ergänzten sich an diesem Sonntag-Vormittag in beglückender Harmonie. Die detaillierten Kostbarkeiten der Kirche erschlossen sich uns allerdings vollständig erst im Nachhinein mit dem Studium ihrer Historie: Die im vorderen Teil der Schlossfreiheit befindliche Kirche mit ihrem einzeln daneben stehenden, im Volksmund als „dick“ bezeichneten Turm wurde bereits 1215 geweiht. Früher Stifts- und Hofkirche, wird sie bis heute von der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus genutzt. In ihrem Innern befinden sich die Grabplatten der fürstlichen Familie, wertvolle Fresco-Malereien und u. a. ein Tafelgemälde von Lukas Cranach d. J. Selbst der Kirchhof kann in seiner malerischen Anlage mit einer Attraktivität aufwarten: mit der letzten Gaslaterne der Stadt, die im so genannten Rosenwinkel steht.
Den Höhepunkt des Tages bildete naturgemäß das Festliche Konzert in der 2002 wiedereröffneten Stadthalle. Einst, in glanzvoller Zeit des fürstlichen Geschlechts von Anhalt-Zerbst als Reithalle gebaut, liegt sie inmitten des alten Schlossgartens. Ein überaus prächtiger Konzertsaal überrascht den noch unkundigen Besucher. Und Programm und Interpreten taten dann ein übriges, die aus Nah und Fern angereisten Besucher zu beglücken. Das King’s Consort unter seinem musikalischen Leiter Robert King gehört auf dem Gebiet der Alten Musik zu den führenden europäischen Ensembles. Mit gewohnter Präzision und virtuos-spielerischer Musizierfreude brachten die Musiker die Kompositionen von Fasch, Albinoni und Vivaldi in ihren variablen Besetzungen zu eindrucksvoller Wirkung. Krönender Abschluss des Konzertes war das Stabat Mater von Luigi Boccherini, eine überaus feinsinnige Komposition für Sopran-Solo und Streicher, die den italienischen Stil jener Zeit vor allem repräsentiert. Gerade den Besuchern der Händel-Festspiele unvergessen u. a. durch ihre brillante Darstellung der Morgana in Händels Oper Alcina, bestach die Sopranistin Lorna Anderson mit ihrer glockenklaren Stimme und ihrer faszinierenden Virtuosität. Und wenn sie auch in diesem Konzert nicht ganz ihre gewohnte glanzvolle Ausstrahlung erreichte, der Gesamteindruck des Konzertes blieb als nachhaltiges Erlebnis haften und wird über den Rundfunksender weitere Hörer in seinen Bann ziehen.
Dass Zerbst aber an Erlebnis schaffenden Sehenswürdigkeiten mehr noch zu bieten hat, als zuvor erahnt, das erfuhren die „Händelianer“ trotz der begrenzten Zeit allerorten. Überlieferte Zeugen der glanzvollen historischen Vergangenheit, innerhalb derer die Kindheit der späteren großen Zarin Katharina II. zu den bekanntesten Episoden gehört, treten dem suchenden Gast eher zurückhaltend entgegen. Alt-Verfallenes mischt sich mit Wieder-Erstandenem auf ganz eigene Weise. Von dem ehemals dreiflügeligen Bau der fürstlichen Residenz steht heute nur noch der Ostflügel als Ruine. Und doch verraten die alten Kavaliershäuser an der Schlossfreiheit, die ehemalige Schlosswache und so manches Gebäude am Rande die vergangene Pracht, die Zerbst dereinst zu dem kulturellen und politischen Zentrum in Mitteldeutschland hatte werden lassen.
Und einmal von Johann Friedrich Fasch, von Zerbst und von Anhalts Geschichte entzündet, zog es uns noch zu einer Sehenswürdigkeit, die ebenfalls besonderen Feierlichkeiten entgegensah: zum Francisceum. „Mögen zum Glück der Zerbster meine Wünsche erfüllt werden. Franz“, so steht es gleich auf einer den Eingang des heutigen Gymnasiums schmückenden Tafel. Und die Worte verweisen den eintretenden Besucher auf die reiche und auch wechselvolle Geschichte des ursprünglich ältesten Klosters von Zerbst. 1246 war es von Franziskaner-Mönchen gegründet und später im Zuge der Reformation gestürmt und geschlossen worden. Erst 1532 zog mit der Gründung einer evangelischen Lateinschule wieder neues Leben in die alten Mauern. Und wir finden hier die älteste weiterführende Schule Sachsen-Anhalts. Das derzeitige 200. Jubiläum der Anstalt nun zielt auf die 1803 von Fürst Franz von Dessau erfolgte Umgestaltung der Klosterkirche zur Schule, die später den Namen „Francisceum“ erhielt. All das und vieles Interessante mehr erfuhren wir vom jetzigen Direktor des heutigen Gymnasiums. Seit 1991 ist Dr. Hans-Eberhard Schmaling Leiter dieses ehrwürdigen Institutes, dessen Schüler er einst selbst war. „Wer etwas werden sollte in Anhalt, den schickten die Eltern nach Zerbst aufs Francisceum, und wer etwas geworden war, der kam oftmals daher.“ So hieß es im 19. Jahrhundert. Als besonderer Anziehungspunkt aber erwies sich die über 400 Jahre bestehende alte Bibliothek. Der Bestand umfasst insgesamt 44000 historische Bände. Und wer sich dem Ehrfurcht erheischenden Schauer der alten sprechenden Folianten entziehen will, der schaue ins Internet. Hier sind Details und Bestände genauestens dokumentiert. Wir jedoch ließen uns vom Enthusiasmus des Direktors gefangen nehmen, dessen Geschichten um sein „Kloster“ unerschöpflich schienen. Natürlich kam auch Martin Luther zur Sprache, der hier in Zerbst im Zuge der Reformierung eine bedeutende Rolle gespielt und auch bei der Gründungsgeschichte der Schule mitgewirkt hatte: Gedanken, die uns bewogen, doch noch – zwischen den beiden Konzerten – einen Abstecher in das Luther-Haus, dem größten reformationsgeschichtlichen Museum der Welt, im nahe gelegenen Wittenberg zu unternehmen, dessen Eindrücke nicht weniger nachhaltig waren.
Letztendlich war es ein Tag, reich an Ereignissen, an Erlebnissen und an neuen Eindrücken. Bei dem einmaligen Besuch wird es sicher nicht bleiben, denn Zerbst ist mehr als nur eine Reise wert.

Karin Zauft

ZERBST
Sonnabend, 27.09.2003, 19.30 Uhr

Hotel „von Rephuns Garten“
Wahl des Präsidiums

Auf der Mitgliederversammlung der IFG am 06.04.2003 wurde das Präsidium wie folgt neu gewählt:

Dr. Konstanze Musketa
Jens Lorenz
Ellen Arndt
Christiane Schwenke
Karin Crain
Präsidentin
Vizepräsident
Vizepräsidentin
Schatzmeisterin
Schriftführerin


Weitere Präsidiumsmitglieder:

Dr. Inge Werner
Angela Jahnke
Susanne Schuster
Stephan Blaut

Ehrenmitgliedschaft

Während der Mitgliederversammlung der IFG wurde Herrn Shalev Ad-El die Ehrenmitgliedschaft der IFG verliehen. Damit soll das Engagement des israelischen Cembalisten und Dirigenten für die Verbreitung der Musik Faschs in den zurückliegenden Jahren gewürdigt werden.

 
 
  Internationale Wissenschaftliche Konferenz anlässlich der 8. Internationalen Fasch-Festtage 2003  
 
Als wichtiger Bestandteil der Festtage fand auch dieses Jahr eine Wissenschaftliche Konferenz traditionell in der angenehmen Atmosphäre des Hotels „von Rephuns Garten“ in Zerbst statt. Am 04. und 05. April trafen sich 13 Referenten aus Kanada, Australien, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland sowie etliche Gäste, um zur Thematik „Johann Friedrich Fasch und der italienische Stil“ ihre Erkenntnisse auszutauschen. Die musikalische Einleitung an beiden Konferenztagen gestalteten wie schon in den Vorjahren Studierende der Fachrichtung Alte Musik an der Musikhochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Thorben Klink (Horn), Heilke Wulff (Violine), Christine Mothes (Blockflöte), Marcel Plavec (Oboe) und Zita Mikijanska (Cembalo) brachten Sonaten von J. F. Fasch, seinem Freund G. H. Stölzel und A. Vivaldi zu Gehör. Zur Begrüßung sagte der Sozialdezernent der Stadt Zerbst, Heinz Westphal, wie schwer es der Stadt unter der schwierigen Finanzsituation gefallen sei, die Veranstaltung ausreichend finanziell zu unterstützen, betonte aber gleichzeitig den Wunsch nach deren Fortbestand in der Zukunft.
Nach der Einführung in die Thematik durch Prof. Dr. Wolfgang Ruf, Halle, legte Dr. Raymond Dittrich, Regensburg, die Grundlage für die weiteren Beiträge, indem er die zeitgenössischen Diskussionen um die Ausbildung von Nationalstilen im 17. und 18. Jahrhundert zusammenfassend darstellte. Dr. Konstanze Musketa gab dann einen Überblick zu den Werken italienischer Komponisten im Inventarverzeichnis der Zerbster Concert=Stube von 1743 und versuchte dabei einige allgemein bezeichnete Werke zu identifizieren, deren Autoren heute kaum noch bekannt sind. Ausgehend von der Vorliebe der sächsischen Kurfürsten für die italienische Art zu musizieren, schilderte Dr. Hans-Georg Hofmann, Basel (Schweiz), die durch Auftragskompositionen und Anstellungen hergestellten Verbindungen des Dresdner Hofs zu italienischen Musikern, um die Prinzipien der herrschaftlichen Musikgeschmacksbildung näher zu beleuchten. Auch die zwei folgenden Referate widmeten sich den musikalischen Aktivitäten an Fürstenhöfen. So berichtete Prof. Dr. Michael Talbot, Liverpool (Großbritannien), von den Auftragskompositionen des Grafen Wenzel von Morzin an Vivaldi; am selben Hof diente auch Fasch kurzzeitig. Dr. Samantha Owens, Queensland (Australien), ging auf die auch Werke von Fasch enthaltende Musiksammlung des Erbprinzen Friedrich Ludwig von Württemberg ein, einem der führenden aristokratischen Musiker seiner Zeit. Im Anschluss daran stellte Stephan Blaut, Halle/Leipzig, das „Jagdkonzert“ D-Dur von Fasch vor, dessen überlanger erster Satz das gängige Gestaltungsmuster zugunsten der schematischen Wiedergabe einiger originaler Jagdsignale verlässt. Dr. Undine Wagner, Chemnitz/Weimar, beschloss den ersten Tag mit einem Blick auf das Œuvre des in Merseburg, Sondershausen und Rudolstadt tätigen Fasch-Zeitgenossen Christoph Förster. Den zweiten Tag eröffnete Prof. Dr. Karl Heller, Rostock, mit einer Untersuchung der Sinfonien Faschs hinsichtlich ihrer italienischen Stilprägung und einer Erklärung, warum diese Gattung gegenüber seinen Konzerten und Suiten geringer eingeschätzt wird. Brian Clark, St Ives (Großbritannien), ging anhand einiger Kompositionen auf die Suche nach konkreten Vorbildern und fand sie in Werken von G. Ph. Telemann, A. Scarlatti und Fr. Mancini. Anschließend beschäftigten sich zwei Referate mit der Vokalmusik von Fasch. Während Dr. Janice Stockigt, Melbourne (Australien), die italienische Tradition in seinen Vespervertonungen kenntlich machte, ging Dr. Barbara Reul, Regina (Kanada), auf eine Kompositionstechnik ein, bei der Fasch rhythmische und melodische Elemente mehrfach innerhalb einer Kantate verarbeitete. Den Abschluss der Konferenz bildete Elena Sawtschenko, Leipzig, mit ihrem Referat zur Trauerkantate Die mit Tränen säen und zur Serenata Beglückter Tag, zwei Kompositionen Faschs, die in den aus Kiew zurückgekehrten Beständen der Berliner Sing-Akademie enthalten sind.
Alle Beiträge werden im Konferenzbericht als 9. Band der Fasch-Studien veröffentlicht, der Ende 2003 erscheint.

Die 9. Internationalen Fasch-Festtage sind für den 07. bis 17. April 2005 vorgesehen.
Das Thema der Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz am 08. und 09. April 2005 lautet: „Johann Friedrich Fasch als Instrumentalkomponist“. Themenvorschläge von interessierten Musikwissenschaftlern für einen Redebeitrag sind, an die Geschäftsstelle gerichtet, herzlich willkommen.

 
 
  Berichte/Mitteilungen  
 
Symposium
Vom 06. bis 08.11.2003 veranstaltet das Department of Music am Rhodes College in Memphis (USA) ein Symposium zum Thema „Die Komponisten und Kompositionen der Berliner Sing-Akademie“, dass sich auch dem Wirken Carl Friedrich Christian Faschs widmen wird. Als Referentin ist u. a. unser Mitglied Frau Dr. Barbara Reul eingeladen.

Ein neuer Brief von Fasch entdeckt
Unser Mitglied Frau Dr. Barbara Reul, Regina (Kanada), entdeckte bei Recherchen im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau (früher Landesarchiv Oranienbaum) in einer Sammlung von alten Manuskripten einen bisher unbekannten Brief von Johann Friedrich Fasch mit dem Aktenzeichen „Kammer Zerbst Nr. 2769“. Es handelt sich dabei um ein Schreiben Faschs vom 28. September 1753 an den Fürsten Friedrich August von Anhalt-Zerbst. Sich auf die bevorstehende Vermählung des Landesherrn mit Prinzessin Carolina von Hessen-Kassel berufend, bittet Fasch im Namen der „übrige[n] von hochfürstl. Capelle“, aus der „hochfürstlichen Renthcammer“ Geld fließen zu lassen, um „vor Eürer Hochfürstl. durchl: und andern hohen Herrschafften (wie bey denen meisten Capellen von fürstl. Höfen geschiehet) in reinlich= und guter Kleidung erscheinen zu können“. Ob ihm diese Bitte gewährt wurde, konnte nicht geklärt werden, aber aus einem Brief Faschs vom 21. März 1754 an das Konsistorium Zerbst geht hervor, dass er sich gezwungen sah, seinem Sohn „Carlchen“ (Carl Fasch, 1736–1800, Begründer der Berliner Singakademie) anlässlich der Hochzeit ebenfalls „eine gantz neüe Kleidung“ machen zu lassen, da dieser noch „außer Diensten“, also nicht Mitglied der Hofkapelle, jedoch „bey den Musiquen nöthig“ war. (Siehe S. 40–43 in Was dieser Geldmangel uns vor tägl. Kummer machet. Briefe, Johann Friedrich Fasch betreffend, aus dem St. Bartholomäi-Stift zu Zerbst (1752 bis 1757), hrsg. v. K. Musketa unter Mitarb. v. D.-K. Bischoff, Oschersleben 1997.)

Die Fasch-Gesellschaft befördert Projekt für Musikschüler
Kindern und Jugendlichen den Kontakt zur Musik Faschs zu ermöglichen, ist schon länger ein Anliegen der IFG. Nun wurde ein dahingehendes Projekt in Zusammenarbeit mit der Musikschule Zerbst realisiert. Nach Vorauswahl durch Herrn Gero Schmidt (Musikschule Zerbst) bearbeitete Herr Heiko Lippmann aus Hamburg zehn Sätze aus fünf Sonaten Johann Friedrich Faschs. Dabei wurden die Kompositionen sowohl in der Besetzung als auch in den spieltechnischen Anforderungen den Möglichkeiten von Musikschülern unterschiedlichen Alters angepasst. Die Bearbeitungen werden bei der Edition GAMUS in Dessau erscheinen. Als Auftraggeber wird die IFG 50 Exemplare der Notendrucke den Musikschulen im Gebiet des Regierungspräsidiums Dessau übereignen. Ermöglicht wurde das Vorhaben durch die finanzielle Förderung des Regierungspräsidiums Dessau und des Landkreises Zerbst. Erste klangliche Eindrücke von den Bearbeitungen sollen im Rahmen des Jugendmusikfestes Sachsen-Anhalt am 13.09.2003 in der Musikschule Zerbst zu erleben sein.

Aufführung
Zum Abschlusskonzert der Akademie für Alte Musik auf Schloss Horst in Gelsenkirchen führte das Barockorchester Caterva Musica am 14.05.2003 u. a. das Konzert g-Moll für zwei Oboen, Streicher und B. c. von Johann Friedrich Fasch mit Linda Leighton und Hans-Heinrich Kriegel als Solisten auf.

Debüt-CD
Das Main-Barockorchester Frankfurt hat für seine Debüt-CD ausschließlich Werke von Johann Friedrich Fasch eingespielt. Auf der CD werden drei Instrumentalkonzerte sowie drei Sinfonien, zum Teil in Ersteinspielung, zu hören sein. Die Veröffentlichung ist beim Label AEOLUS für den September 2003 geplant.
Info: www.main-barockorchester.de

Berliner Sing-Akademie
Die aus Kiew zurückgekehrten Bestände der Berliner Sing-Akademie, zu denen auch Werke Carl Friedrich Christian Faschs gehören, werden derzeit durch den Saur-Verlag aus München auf Mikrofiches verfilmt. Im Auftrag der IFG wird Frau Dr. Susanne Oschmann, Berlin, den Verlag dabei beraten und darüber hinaus eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Sing-Akademie herstellen.

Neue Editionen
Drei von Brian Clark edierte Sonaten Johann Friedrich Faschs sind neu bei King’s Music (Großbritannien) erschienen.
Info: www.kings-music.co.uk
Hans-Heinrich Kriegel edierte in den letzten Monaten zwei Kantaten, drei Ouvertürensuiten, fünf Konzerte und eine Sonate von Fasch. Partiturexemplare überließ Herr Kriegel dankenswerter Weise dem Fasch-Archiv, Aufführungsmaterial ist direkt über ihn zu erhalten.

 
 
IMPRESSUM


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Tel./Fax 03923/784 772
Redaktion: Hagen Jahn
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